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Sicher parken, wenig schleppen

15-Jun / Medienbericht / 0 COMMENTS

(Die Presse)

 

Wie Kreative mit WG für Fahrräder, Anhängern zum Einkaufen oder Social-Apps die Mobilität weiterbringen wollen: Die Sieger des Ideenbewerbs Cycling Affairs stehen fest.

 

Schuld sind Fahrraddiebe, die Tauben und ein Rad, das beim Frühstück im Cuchina in der Wiener Lilienbrunngasse an der Wand hing. Dort sei er, erzählt Raumplaner Josef Lueger, mit Lisa Schmidt, die sich mit Zwischennutzung beschäftigt, und Marketingexperten Jan Hosa auf die Idee der Rad-WG gekommen. Leerstehende Räume, die von Radfahrern aus der Nachbarschaft als Abstellplatz genutzt werden. Samt Zugangssystem, Austausch von Wissen rund ums Radreparieren, gemeinsamem Saubermachen usw. Und, eines Tages, wenn das Netz an Rad-WGs gewachsen ist, einer App, die freie Gastplätze in der nächsten WG anzeigt. Dieses Projekt wurde jüngst im Ideenwettbewerb Cycling Affairs von Departure mit dem Hauptpreis (und damit 7000 Euro Prämie) ausgezeichnet.

 

Ein Schritt, damit die WGs nicht nur Konzept bleibt. „Sind alle technischen, juristischen und wirtschaftlichen Fragen geklärt“, sagt Lueger und spricht nötige Förderungen an, „kann im Herbst die erste WG eröffnen.“ Ein Raum, den Eigentümer an selbst verwaltete Gruppen vermieten. Diese würde der WG-Platz fürs Rad, je nach Lage, etwa fünf bis acht Euro im Monat kosten. Die Wiener Rad-WG würde Software, App, Zutritts- und Sicherheitssysteme entwickeln. Und irgendwann, ähnlich einem Franchise-System, WGs in ganz Wien vernetzen.

 

Mobiler Großparkplatz. Die WG ist nicht die einzige prämierte Idee zum Parken: Der zweite Platz im Wettbewerb, damit 5000 Euro, geht an die „Mobilen Fahrradständer“ vom Wiener Studio Walking Chair. Eine Abstellmöglichkeit aus einem Betonfuß und einem Metallring, mit deren Hilfe etwa bei Großveranstaltungen schnell und unkompliziert große Rad-Parkplätze aufgestellt werden können. Platz drei ging an eine Idee aus Tel Aviv: Designer Udi Rimon hat einen Anhänger entwickelt, der wackeliges Fahren mit vollen Sackerln am Lenker oder überladenem Gepäcksträger vergessen machen soll: Den „Tel-O-Porter“, der an jedes Rad gehängt werden kann. Ein Verleihsystem – ähnlich der Citybikes – könnte eine günstige Möglichkeit schaffen, das Rad auch für Großeinkäufe zu nutzen.

 

Großes Potenzial zur Verbesserung. Eingereicht wurden daneben auch Ideen zum stilvollen Radeln, zum Radfahren mit Kindern, stadtplanerische Konzepte oder Apps. Zum Beispiel „Cycling Public“, eine Idee, die mit einem Spezialpreis ausgezeichnet wurde: Über einen Vertrag zwischen Stadt und Radfahrern sollen diese für jeden Kilometer, den sie auf dem Sattel statt im Auto sitzen, belohnt werden. Ein fix montierter Zähler würde jeden Kilometer registrieren, für 100 Kilometer im Monat gebe es dann zum Beispiel Lotto-Tickets, für 500 Kilometer Tickets fürs Ernst-Happel-Stadion. Das Potenzial, Radfahren in der Stadt bequemer, sicherer oder schicker zu machen, ist offenbar groß. 235 Kreative haben innerhalb von gut acht Wochen ihre Ideen eingereicht.

 

Nicht nur für die Schublade. Bettina Leidl, die Geschäftsführerin von Departure, spricht von einem „vollen Erfolg“, nun wolle man „ausgesuchte Projekte bei der Umsetzung unterstützen“. Diese seien nicht für Schubladen erdacht worden, ist doch auch das Interesse – und offenbar der Wunsch nach Verbesserung – der Wiener groß: Immerhin haben sich am Publikumsvoting 16.798 Interessierte beteiligt. Gewonnen hat dort „BikeLikeVienna“, eine Synergie aus App fürs Smartphone und einer Online-Plattform, bei der zum Beispiel Steigungen, Staus, Stop-and-go-Situationen per GPS genau aufgezeichnet und automatisch in bestehende Routenplaner integriert werden könnten. Und vielleicht eines Tages auch zeigt, wo die nächste Rad-WG ein Plätzchen frei hat oder der nächste Anhänger zum Ausborgen bereitsteht.

 

von Christine Imlinger (Die Presse)

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